Bogdan Renczyński, Mickey Mahar, Çiğdem TekeDie Rückkehr des Odysseus – Performance mit Bogdan Renczyński
Performance, Rangfoyer, 4. Sept. 2026 – offen
Im Juni 1944 inszenierten Tadeusz Kantor (1915–1990) und befreundete Künstler:innen im von den Nationalsozialisten besetzten Krakau heimlich Stanisław Wyspiańskis Die Rückkehr des Odysseus. In einer Zeit, in der bereits das Zusammenkommen gefährlich war, wurde der Krieg nicht zum Hintergrund der Aufführung – er ging in ihre Form ein. Wyspiańskis Stück greift auf Homers Odyssee zurück, dekonstruiert jedoch die Figur des siegreichen Helden. Odysseus kehrt nicht nach Ithaka zurück, sondern in ein verwüstetes Europa. Die Heimat ist unkenntlich geworden. Und auch der heimkehrende Held ist ein Fremder im eigenen Land.
Für Kantor war dieser zerstörte Raum kein Bühnenbild. Echte, von der vom Krieg gezeichneten Stadt geprägte Gegenstände kamen in all ihrer Armut und Beschädigung in die Aufführung; Schauspieler:innen und Publikum teilten denselben prekären Raum. Hier formulierte Kantor einen Grundsatz, der sein Theater prägen sollte: Theater soll die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern mit ihr kollidieren. Odysseus trägt die Katastrophe in ein Zuhause, das ihn nicht mehr aufnehmen kann.
1955 gründete Kantor in Krakau Cricot 2: kein konventionelles Theater, sondern ein unabhängiges Labor, in dem bildende Künstler:innen, Schauspieler:innen, Objekte und gefundene Materialien disziplinübergreifend aufeinandertrafen. Charakteristisch war insbesondere Kantors Umgang mit den Körpern der Schauspieler:innen. Sie wurden zu lebenden Skulpturen, deren Bewegungen oft mechanisch oder ritualisiert wirkten. Die Grenze zwischen Mensch und Objekt verschwamm – beide wurden zu gleichberechtigten Akteur:innen.
In Zusammenarbeit mit der Cricoteka in Krakau begreift Die Rückkehr des Odysseus Kantors Archiv als lebendiges Material. Bogdan Renczyński, der in Cricot 2 sowohl als Schauspieler als auch als Bühnenbildner tätig war, arbeitet mit Mickey Mahar und Çiğdem Teke aus dem Gorki-Ensemble daran, Texte, Erinnerungen und Gesten in neue performative Antworten zu überführen.