SarkisFUGE
Am 4. September eröffnet das Maxim Gorki Theater die erste Spielzeit seines neuen künstlerischen Programms mit FUGE, einer performativen Installation des bedeutenden Konzeptkünstlers Sarkis. Auf der Bühne, im Zuschauerraum, in den Foyers und Durchgängen treffen bildende Kunst, Performance, Klang, Erinnerung und kollektive Präsenz aufeinander. Theater wird zu einer durchlässigen Form und zu einem Raum der Einladung.
Sarkis wurde 1938 in Istanbul in eine armenische Familie geboren und lebt seit 1964 in Paris. Seine Arbeiten wurden auf der documenta und international gezeigt. 1978 begann er während seines Aufenthalts als DAAD-Gast in Berlin mit Kriegsschatz, einem fortlaufenden Werk, in dem Objekte, Bilder und Erinnerungen durch unterschiedliche Geschichten wandern. Nun betritt er erstmals in dieser Form ein Theater. Sarkis bezeichnet seine Arbeiten als Mise en Scène: Akte der Einladung, die Künstler:innen, Werke, Erinnerungen und Geschichten in neue Beziehungen zueinander setzen. Theater wird hier zu einem Raum der Gastfreundschaft, in dem unterschiedliche Zeiten und Stimmen nebeneinander bestehen.
Im Zentrum steht ein verspiegelter Schädel nach dem Vorbild von „Little Foot“, einem der ältesten nahezu vollständig erhaltenen Homininen-Skelette, der an Sarkis’ eigenes Gesicht erinnert. Regenbogenfarbener Regen fällt in sieben Farben auf sieben Teile. Aus diesen Teilen entstehen sieben Kontinente, die sich auf der Gorki-Bühne drehen und die Welt in Bewegung versetzen. Die von Sarkis konzipierte und in den Werkstätten des Gorki gefertigte Arbeit fragt danach, woher wir kommen und wohin wir uns bewegen.
In diese Konstellation lädt Sarkis den polnischen Theaterrevolutionär Tadeusz Kantor (1915–1990) ein. Eine Plattform erinnert an die reisende Bühne seines Ensembles – untrennbare Begleiterin und mobiles Territorium des Theaters. 31 Kreuze und Regenbogenlicht treten in Sarkis’ Welt ein, während ein weiterer Raum Kantors Weg von The Return of Odysseus (1944) bis zu seinen Happenings nachzeichnet, die das Theater hinaus in die Welt trugen. Damit wird die Zusammenarbeit des Gorki mit der Krakauer Cricoteka, dem Zentrum für die Dokumentation der Kunst Tadeusz Kantors, fortgeführt.
Von Kantors wandernder Bühne aus tritt John Cage in Erscheinung. In Litany for the Whale (1980) werden Unterwasserlaute zweier Wale zu Musik. Der Musiker Frank Steijns spielt das Werk auf einem Glockenspiel mit 43 Glocken, deren Klang sich durch das gesamte Theater bewegt. Kantors 31 Kreuze hören mit uns. Kronleuchter aus Vogelfedern atmen mit der Luft und erzeugen durch ihre Bewegung Zeit.
In FUGE aktiviert das intergenerationelle Ensemble der Golden Gorkis diese Konstellation mit Körpern, Stimmen, Bewegung und Atem. Wie in einer Fuge treten Geschichten und Stimmen auf, verschwinden, kehren wieder und verwandeln einander. FUGE eröffnet das neue Gorki als ein Haus der Einladung – einen Ort, an dem Kunst, Architektur und Rhythmus ebenso in Bewegung geraten wie die Art und Weise, wie wir zusammenkommen.
In der Galerie, dem ehemaligen Garderobenfoyer, lädt Sarkis’ L’atelier d’aquarelle dans l’eau (2005–2026) dazu ein, die Geschwindigkeit der Farben zu entdecken, während Wasser, Licht und Zeit ineinanderfließen.
FUGE ist vom 4. September bis 11. Oktober täglich von 13 bis 21 Uhr zu erleben. Der Eintritt ist frei.
Künstler Sarkis Kuratorin Çağla Ilk Künstlerischer Assistent Eden Morfaux Carillonneur Frank Steijns Golden Gorkis Eric Czotscher, Martha Hölters-Freier, Leyla Mehrmann, Bernd Ocker Hölters, Johannes Storks Kostüme Sarkis Mitarbeit Kostüm Thomas Maché Mitarbeit Ausstattung Justus Saretz Dramaturgie Ludwig Haugk Künstlerische Produktionsleitung Vanessa Wujanz Kuratorische Assistenz Eva da Silva Antunes Alves Leitung Golden Gorkis Ron Rosenberg