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Luca Cerizza, Çağla IlkMusic of Fears

Schon Pythagoras und später Johannes Kepler stellten sich das Universum als ein harmonisches Zusammenspiel von Tönen vor, die für das Ohr zwar unhörbar, für die Seele jedoch wahrnehmbar sind. Diese utopische Vorstellung findet auch heute noch Anklang: Von Hindemith über minimalistische Komponisten bis hin zu zeitgenössischen Pop-Ikonen wie Björk und Coldplay – Künstler aller Epochen waren fasziniert von der Vorstellung, dass das Universum ein Instrument sei, das die „Sphärenmusik“ spielt.

Angesichts des Gefühls der Unsicherheit, das durch Umweltkatastrophen, massive Migrationsbewegungen, zunehmende technologische Unsicherheiten, Einschränkungen der persönlichen Freiheiten und Kriegsgefahren hervorgerufen wird, scheint die heutige Welt mehr Kakophonien und Dissonanzen zu erzeugen als perfekte Töne. Hat sich die Musik der Sphären in eine „Musik der Ängste“ verwandelt und damit das Utopische ins Dystopische verkehrt?

Music of Fears ist ein von Luca Cerizza und Çağla Ilk kuratiertes Projekt. Es wird verschiedene Ausdrucksformen, Formate und Veranstaltungsorte nutzen und ohne zeitlichen Zusammenhang im Programm des Maxim Gorki Theaters auftauchen. Teil des Programms sind Klang- und Videoinstallationen, Ausstellungen, Klangperformances, Konzerte, Vorträge, Vortragsperformances und Podiumsdiskussionen. Klang und Musik werden als Instrumente des sozialen und politischen Kommentars hinterfragt wie auch in ihrer Fähigkeit untersucht, einen Zustand der Angst, der „echten“ und bewusst hervorgerufenen Furcht auszudrücken.

Die erste Folge der Reihe konzentriert sich auf den Einsatz der Stimme (menschlich, tierisch, mechanisch, hybrid) als primäre und ursprüngliche Ausdrucksform. Die historisch mit der weiblichen Stimme verbundenen Vorurteile, die Schwierigkeit, sich angesichts von Drama und Verlust sprachlich auszudrücken, die rhetorische Kraft der Stimme sowie die tierische Stimme als Inbegriff des Unbekannten und Gefährlichen sind einige der Themen, die im Rahmen eines dreitägigen Programms in vielfältiger Form behandelt werden.